unser Beitrag ist längst geleistet – jetzt holt die „Superreichen zur Kasse“!

Der ver.di-Ortsverein hatte am 13.Juli 2021 zu einem Pressegespräch eingeladen, in dem verschiedene Aktive jeweils kurz über ihre Situation in der Pandemie berichteten.

Den anwesenden Medienvertretern wurde dargestellt, wo überall in der Region die ver.di-Kampagne „Superreiche zur Kasse“ notwendig ist und auf die bevorstehende Kundgebung am Samstag, den 17.07.2021 ab 11 Uhr auf der Theresienwiese in München hinweisen. In mehreren Beiträgen wurde erläutert, weshalb es notwendig ist, „Superreiche zur Kasse“ zu bitten.

Gekommen waren neben der stellvertretenden Bezirksgeschäftsführerin von ver.di München auch Vertreter*innen der Eurotrade, der Post, des Landratsamtes, der Swissport-Losch, der Lufthansa Technik, der Betriebsseelsorge und der AE/FMG. Für uns war Ralf dabei:

wehrdi.info: „Superreiche zur Kasse“ klingt recht aggressiv – immerhin sind die Superreichen eine winzige Minderheit – darf man das? Ist das nicht finsteres Minderheiten-Bashing? Und was hat das alles mit dem Luftverkehr zu tun?

Ralf: Luftverkehr ist ein Gesamtkunstwerk, das nur mit allen Beschäftigten funktionieren kann. Das weiß eigentlich jede*r. Nur beim Umgang mit der Krise bekommen die einen (z.B. die Lufthansa oder milliardenschwere  Reisekonzerne) Milliardenhilfen organisiert obwohl sie massenweise Beschäftigte kündigen –  weil man das ja den Aktionären (z.B. den Erben Heinz Hermann Thieles, oder Heuschrecken wie BlackRock, Vanguard oder UBS) schulde. Mit Aktien spekulierende Anleger müssen geschützt werden – offenbar ist das wichtiger als der Schutz derjenigen, die diese Spekulationsgewinne erarbeiten müssen.

wehrdi.info: Naja, aber die FMG ist weder Erbeigentum noch kündigt sie ihren Leuten. Wie reimt sich das?

Ralf:  Richtig – außerhalb der nackten Gier der Spekulanten gibt es sicherlich auch eine Welt. Natürlich kündigen halbwegs sozial verantwortlich agierende Unternehmen wie z.B. der FMG-Konzern  ihren Beschäftigten – zumindest bisher – nicht. Man versucht sich in sozial verträglichem Personalabbau.

Derzeit ist es aber doch auch so: Die Beschäftigten der FMG-Mutter (und Aeroground) „erkaufen“ sich ihre Absicherung ein gutes Stück weit selbst, in Form eines „Notlagentarifvertrages“, der für sie  ab 2022 Einbußen (-6% Arbeitszeit = -6%  Lohn) bringt. Die Beschäftigten der Tochterfirmen, die eh‘ schon schlechter bezahlt sind, haben gar keine solche Absicherung, weil die Tarifregelungen für sie nicht gelten. Genau hier müßten geeignete Hilfen ankommen!

Aber für sowas gibt’s keine Hilfen – unter anderem auch deswegen, weil zum Beispiel die Stadt München sich ihren Anteil nicht leisten kann oder will. Wenn aber die Stadt nicht mitbezahlt, dann sind Hilfen angeblich beihilfe- und wettbewerbswidrig.

wehrdi.info: … klingt widersinig …

Ralf: Das ist schon deshalb widersinnig, weil der Flughafen insgesamt ein Stück unserer Daseinsvorsorge ist. Zur Weltklimakonferenz nach Kairo kann man nun mal nicht mit dem Fahrrad oder Zug anreisen.

In dieser Daseinsvorsorge steckt unser aller Steuergeld – und leider wissen wir auch, wer diese Steuern fast allein bezahlt – die arbeitende Bevölkerung. Spekulanten und Erben fliegen zwar gern und luxuriös von unseren Flughäfen ab, steuern aber selbst kaum etwas zum gesellchaftlichen Vermögen bei.

Zur Infrastruktureinrichtung wird ein Flughafen aber erst durch die Beschäftigten. Ohne sie ist das nur zubetonierte Landschaft. Erst durch die Beschäftigten, die Mobilität möglich machen, kann die Infrastruktureinrichtung ihre Bestimmung erfüllen.Wenn wir aber als Gesellschaft auch in Zukunft mobil bleiben wollen, dann müssen die Beschäftigten im System Flughafen gehalten werden. Dann braucht es Geld – nicht für die Reichen, sondern für die Beschäftigten, die im Luftverkehr höchstens im Ausnahmefall wirklich gute Einkommen erzielen.

wehrdi.info: Ist die eigentliche Frage nicht doch die des ursprünglichen Solidarprinzips – „ein Starker trägt viele Schwache“ – also der Sieg der menschlichen Vernunft über nackte, primitive Gier?

Ralf: Egal, wie Du das umschreiben willst – unsere Leute sind jedenfalls längst an ihrem Limit angekommen oder bereits darüber. Sie haben ihre Beiträge in Form von Kurzarbeit, in Form des Notlagentarifvertrages, in Form von Personalabbau geleistet. Ob das reicht, hängt natürlich auch von den weiteren Entwicklungen ab, aber klar ist:

Wenn weiteres Geld benötigt wird, um Krisenfolgen zu finanzieren, dann kann das Geld nicht weiter und weiter und weiter von den Beschäftigten kommen! Die haben die Kohle dazu nicht!

Ich unterstütze deswegen das Motto: „Superreiche zur Kasse!“ – denn da ist das Geld!

wehrdi.info: Der bayerische Wirtschaftsminister hat  im letzten Jahr zum Besten gegeben, die Luftverkehrsbeschäftigten würden sich schon andere Jobs suchen …

Ralf: Ja freilich – und die Bauern werden sich schon andere Jobs suchen, wenn wieder mal ein Donauhochwasser kommt? Was soll man noch sagen zu einer solchen Geschmacklosigkeit eines Wirtschaftsministers, der zudem auch noch im Flughafenaufsichtsrat sitzt und offenbar überhaupt nicht kapiert, wie Luftverkehr funktioniert! Bereits heute sind gut 40% der Beschäftigten in der Abfertigung deutschlandweit schon abgebaut! Mit anderen Worten: Für mehr als 60% des Luftverkehrs fehlt jetzt schon das Personal. Fehlt aber nur ein Kettenglied, dann bleibt der Gesamtprozess hängen und nichts geht mehr. Dann hilft unseren den Reichen auch ihr Geld nicht wirklich weiter, denn dann gibt’s keinen Luftverkehr mehr …

 

P.S.

Im ver.di-Ortsvereinsvorstand Flughafenregion finden sich seit 20 Jahren ver.di-Aktive aus verschiedenen Betrieben und Verwaltungen in der Region rund um den Münchner Flughafen zusammen.

Wer selber Lust hat, mitzumachen: Gerne! Meldet Euch einfach!