… bloß nicht anecken … Demonstration ohne Eckpunkte

Der 1. Mai – ein Datum von Bedeutung für alle, die als Arbeitnehmer unter Vertrag stehen. Dieses Datum steht für das Ende ergebener Unterwerfung unter die scheinbar übermächtige Instanz des Arbeitgebers an sich. Dieses Datum hat Geschichte geschrieben und erinnert uns an die Tatsache, daß aufschauende Ergebenheit nicht zu arbeitsfreien Wochenenden, bezahltem Urlaubsanspruch, Arbeitsschutz, Ergonomie oder arbeitsmedizinischer Betreuung geführt hätte. Dazu brauchte es mehr als nur Bitten und Fragen – es brauchte Einsatz – kurz: Durchsetzungsfähigkeit, soll heißen, echte Arbeitnehmervertreter, die das vertraten, durchsetzten und vor allem auch bereit waren, für die Rechte ihrer Kollegen zu kämpfen.

… gut, jetzt nicht alle, es geht auch anders: Der bis gestern noch Vorsitzende des VW-Konzernbetriebrates zum Beispiel hat ab heute einen prima vergüteten neuen Job in München – als Personalvorstand bei Traton, einer Tochterfirma von VW. Na, den Posten hat der doch ganz bestimmt nur deswegen bekommen, weil er die Interessen der VW-Belegschaft so großartig vertreten hat – oder?

Um den Zynismus der Situation einmal zu illustrieren, machen wir mal ein kleines Beispiel:

Stellen wir uns vor, wir hätten einen Verkehrsunfall gehabt – nichts Schlimmes, vielleicht ein kleiner Blechschaden – ein winziger Parkrempler mit gleicher Beteiligung. Bedauerlicherweise ist unser Unfallgegner da nun aber ganz anderer Ansicht – nicht er, sondern allein wir seien für das Problem verantwortlich und außerdem sei sein Auto ein Totalschaden, den wir nun gefälligst eretzen sollten.

Nun gut – sowas kommt alle Tage vor, was machen wir? Richtig, wir nehmen uns einen Anwalt.

Preisfrage: Was erwarten wir nun von unserem Anwalt?

1. Gehen wir davon aus, daß er erstmal nichts macht und der Gegenseite unser vollstes Verständnis für ihre Situation versichert?

2. Oder haben wir unseren Anwalt vielleicht doch eher dafür engagiert, um unsere Ansprüche und Rechte zu klären und dem Unfallgegner unsere Eckpunkte soweit mal klarzumachen, daß ungerechtfertigte Forderungen in keinem Fall akzeptiert werden?

Ohne uns zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, schätzen wir mal, daß etwa 99% von Euch in Variante 1 keine wunschgemäße Lösung erkennen können, schon gar nicht, weshalb man für so ein Ergebnis noch jemanden extra engagieren und freistellen müßte.

Und wie ist es nun mit Betriebsräten?

Auch – oder gerade – unter Arbeitnehmervertretern gibt es leider Leute, die in ihrem Betreuungseifer dem Irrum verfallen, der Arbeitgeber sei dringendst auf ihre Hilfe angewiesen, wenn es um dessen Rechte als Arbeitgeber ginge. Wir erlauben uns, das für im Grundsatz völlig falsch zu halten, weil ein Arbeitgeber sowieso über mehr als genügend Möglichkeiten verfügt, seine Rechte durch eigene oder bezahlte Leute vertreten zu lassen.

Man darf also festhalten: Ein Arbeitgeber benötigt nicht noch extra verständnisvolle Betriebsräte, die seine Rechte vertreten. Wer hingegen Vertreter braucht, sind wir! Wir brauchen echte ArbeitNEHMERvertreter. Wir brauchen sie, um UNSERE Rechte zu vertreten! Dazu haben wir sie gewählt, das sollen sie dann bitte auch tun! Wer den Arbeitgeberflügel betreuen möchte, für den ist ein Betriebsratsmandat irgendwie eine ganz verkehrte Adresse.

In diesem Sinne: einen schönen 1. Mai Euch allen …