Luftverkehrspersonal schützen – ver.di in Berlin

02.07.2020 Berlin

In vielen Branchen organisieren sich Kolleginnen und Kollegen in ver.di, so auch der Luftverkehr und der Touristikbereich. Am 2. Juli trafen sich etwa 150 Repräsentanten dieser Branchen vor dem Reichstagsgebäude. Anlass waren die letzten Beratungen des Bundestages vor dessen Sommerpause. Zwischen den Beratungen im Parlament bekamen wir dort Besuch von 20 Bundestagsabgeordneten und Mitgliedern des Verkehrsausschusses von SPD, Union, Grünen und Linken. Die Fachgruppe Luftverkehr in ver.di hat ein Luftverkehrskonzept entwickelt, das bei der Veranstaltung überreicht wurde.

Darin geht es vor allem um eines:

Im Luftverkehr kann ein Weiter-So nach der aktuellen Krise kein zukunftsfähiger Weg sein!
Wir fordern daher von den gewählten Vertretern, im Rahmen der Rettungspakete dafür zu sorgen, dass ein sozial-ökologischer Umbau des Luftverkehrs angegangen wird. Denn nur so – und nur gemeinsam mit den Beschäftigten – kann der Luftverkehr zukunftsstabil ausgerichtet werden.

Die sozialen Verhältnisse in vielen Bereichen des Luftverkehrs, ob in der Abfertigung an den Flughäfen oder beim fliegenden Personal, waren bereits vor Corona vielfach unterirdisch. Das System Luftverkehr muss dringend verbessert, Fehler der Vergangenheit bereinigt und Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass für jeden ein menschenwürdiges, gutes und gesundes Arbeiten UND Leben möglich ist.

Die bestehenden Kurzarbeitsregelungen, die für den Luftverkehr als besonders betroffener Branche, eine Verlängerungsoption brauchen, sind gut und sichern viele der Arbeitsplätze.

Die Situation all der Beschäftigten, die von den O’Learys und Spohrs dieser Welt gefeuert oder durch Insolvenzen arbeitslos werden wie auch die Lage all derjenigen, die sich infolge nicht aufgestockten Kurzarbeitergeldes mit nur 60% längst in existenzbedrohlicher Situation wiederfinden, zeigt auf, wie prekär die Verhältnisse für viele Beschäftigte im Luftverkehr schon weit vor Corona waren.

Wir sehen, wie Großunternehmen unter dem Vorwand „Corona“ auch ohne finanzielle Not Arbeitsplatzabbau ankündigen, Belegschaften kündigen oder mit Kündigung drohen, falls die Beschäftigtenvertreter nicht bereit seien, von jetzt auf gleich große tarifliche Einschnitte abzunicken. Wir sehen Flughäfen, die noch im letzten Jahr Rekordgewinne auswiesen, aber den Tarifvertrag über Ertragsbeteiligung kündigen, obwohl genau der doch Zahlungen vom Unternehmenserfolg abhängig macht!. Das größte deutsche Luftverkehrsunternehmen, will Tarifstandards schleifen und dort, wo dies z.B. durch Outsourcing schon geschehen ist, parallel zum Erhalt von Milliarden an Unterstützung in anderen Konzernteilen Beschäftigte rauswerfen. Diese Liste ließe sich beinahe endlos fortsetzen.

In besonders dramatischer Weise sind auch die Kolleg*innen der Touristikbranche betroffen. Reiseveranstalter durften viele Wochen keinerlei Reisen verkaufen und eine echte Erholung wird angesichts der Situation im Luftverkehr noch auf sich warten lassen.

Als ver.di mahnen wir daher: Es darf es nicht zu einer, nach den Bedürfnissen kurzsichtiger Arbeitgeber verschärften Wiederholung der Vor-Corona-Situation kommen, sondern es muss eine zukunftsfähige Nach-Corona-Situation ausgestaltet werden! Das kann und wird mit ver.di gelingen. Dumping und Erpressungspraktiken werden wir als ver.di entschieden bekämpfen.

Als ver.di fordern wir daher ein, dass der Luftverkehr die Krise als Chance nutzt, sich sozial durch Korrekturen bei den geschilderten Situationen UND ökologisch in Sachen Klimaschutz zukunftsfähig aufzustellen!

Sollten dabei strukturelle Veränderungen dazu führen, dass Teile der Beschäftigten in den Branchen tatsächlich nicht mehr beschäftigt werden können, gilt es, nachhaltige Perspektiven zu sichern! Da müssen die Arbeitgeber ihrer, in Reden viel beschworenen, sozialen Verantwortung gerecht werden.
Wichtiger Hinweis: Die Kündigung von Tarifverträgen und das Schleifen sozialer Errungenschaften ist sicher nicht sozial verantwortlich!

In diesen Zusammenhängen steht die Politik in der Verantwortung. Sie muss die Unternehmen an ihre Pflichten – auch an soziale und ökologische – erinnern und sicherstellen, dass Modelle, wie z.B. das besonders negative von Ryanair, in der Branche nicht weiter um sich greifen.
Die Krise deckt auch viele Fehler der letzten Jahrzehnte klar auf: Privatisierungen oder ruinöser Wettbewerb durch sog. Liberalisierungen gefährden nun die Mobilität für Menschen.

Die Bundestagsabgeordneten nutzten nach einer entsprechenden Ansprache durch Katharina Wesenick die Gelegenheit, zu den versammelten ver.di-Vertretern aus den verschiedenen Betrieben zu sprechen und versicherten allesamt, ihre Rolle an der Seite der Belegschaften wahrnehmen und nach Kräften unterstützen zu wollen. Manch ein Politiker sprach sogar vom gemeinsamen Kampf für ein gute Zukunft…