Kennen Sie Tribbles? – unser blaues Wunder reloaded

Wenn man etwas zu erleben glaubt, was man zuvor in genau derselben Form bereits einmal erlebt hat, spricht man vornehm französisch von einem Déjà-vu.

Nun, ein ebensolches scheinen wir gerade zu erleben. Der Film vom Wechsel eines ehemals brandroten Wahlfunktionärs der ver.di in die blaue GÖD unter Mitnahme etlicher Getreuer läuft vor unseren erstaunten Augen gerade wieder einmal ab.

Die Story ist – wie bei jedem zweiten Teil – vorhersehbar langweilig, trotz veränderter Besetzung. Der, der diesmal seinem ehemaligen Listenkollegen hinterherwechselt, ist exakt der, der in Teil 1 und noch vor kurzem die GÖD mit den unschönsten Kraftausdrücken bedachte, die ihm in der deutschen Sprache vertraut waren. Und wehe dem, der es auch nur ansatzweise gewagt hätte, in der GÖD irgend etwas anderes zu sehen als eine Ansammlung von Teufeln in Menschengestalt! Dem hätte unser Kollege aber weitergeholfen … damals …

Und jetzt? … Wieder einmal erleben wir das Auftauchen eines ex-roten Promis im Lager des ehemals bitterbösen blauen „Feindes“. Begeistert vermeldet letzterer das erfolgreiche Umhängen des Mäntelchens in die neue Windrichtung.

Seine durch ver.di-Stimmen auf die nächsten Jahre abgesicherten Aufsichts- und Betriebratsposten hat unser Hauptheld – ähnlich dem aus dem Pilotfilm – nicht wieder zurückgegeben. So schlecht war ver.di dann wohl offenbar doch nicht, als daß man die Pöstchen nicht doch lieber selbst behalten hätte. Olle Kamellen – alles schonmal abgedreht in Teil 1.

Neu ist der Action-Teil. Hier hat sich die Regie diesmal ordentlich was einfallen lassen. Während der Bösewicht aus Teil 1 lediglich an zwei Entlassungen von Betriebsräten scheitert, legt man diesmal eine Schippe drauf. Teil 2 bietet Special Effects wie Hausdurchsuchungen, staatsanwaltliche Ermittlungen, krude Verdächtigungen, Strafanzeigen und internationale Politik – also wirklich das volle Programm: Das Ding könnte fast als 007-Imitat durchgehen – sogar Erdogan, Gülen, der Staatsschutz, der DITIB und weiß der Himmel wer nicht noch alles stehen im Drehbuch. Womöglich noch mit Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke … Stoff, aus dem Action-Kino gemacht wird – dagegen wirkt der längste Rücktritt aller Zeiten aus Teil 1 wie eingeschlafene Füße ….

Intellektuell ist es freilich etwas holperig, versucht man, ernsthaft dem Storyboard zu folgen. Man habe (so hieß es bis vor kurzem auf einer offenbar in der Eile vergessenen Seite im Netz) „innerhalt unserer Fraktion immer mehr sinnlose Diskussionen die sich mehr um uns als um Euch gedreht haben“ geführt und und und. Gut, Frustration ist nachvollziehbar, wenn man erkennt, daß man sinnloses treibt – nur, warum wechselt man dann unter Mitnahme fast der gesamten Truppe? Dann ändert sich ja voraussichtlich so gut wie … nix …

Auch in der Frage, wer denn bei den finsteren ver.di-Leuten ganz oben dran war, quält sich die Story arg mit der Logik herum –  unser Held selbst war schließlich der, der bei ver.di seit Jahrzehnten die Richtung vorgab.

Da wird uns eine Geschichte aufgetischt – fast so, als wäre in den Achtzigern der Honecker samt Politbüro über die Mauer geklettert und hätte in Westberlin um politisches Asyl gebeten …

Es gibt noch mehr schwarzen Humor und unfreiwillige Komik. Denn auch die andere – also die blaue – Seite war die Jahre zuvor nicht gerade maulfaul, wenn es um exakt diesen, heute so begeistert begrüßten roten Kollegen ging – auch dort nahm man intern keineswegs zuviele Blätter vor den Mund, wenn es unseren Helden betraf. Mal sehen, wie die jetzt mit ihm zurechtkommen … Die älteren von uns fühlen sich an Episode 15 aus Staffel 2 der Serie Star Trek erinnert, in der Scotty den hochgradig tribbleallergischen Klingonen sämtliche Tribbles rüberbeamt …

Eine recht erheiternde Vorstellung – wer von uns würde da jetzt nicht gern Mäuschen spielen …

Wir werden sehen, was kommt. Letztlich ist vermutlich etwas zu befürchten, was bereits 2006 eintraf. Ob das wirklich erstrebenswert ist, darf man ruhig bezweifeln – noch dazu in einer Zeit, in der weißgott alles andere nötig wäre als sowas.
Bleibt zu hoffen, daß diesmal wenigstens nicht wieder die alten Gräben aufreißen. Aber auch diese Hoffnung könnte ganz schnell an Leuten scheitern, denen die eigene Freistellung und eine krude Vorstellung von einer „Macht“, die es real gar nicht gibt, wichtiger zu sein scheint, als alles andere um sie herum.

Der Vorteil eines echten Déjà-vu ist zweifellos die Tatsache, daß es nur Sekunden dauert und keinen Schaden anrichtet. Wie es aussieht, ist das hier was bleibenderes.